Interview mit Tim Fuhrmann (TuS Bloherfelde) - floorball niedersachsen

Tim Fuhrmann ist seit 2002 auf dem Floorballfeld zuhause!Tim Fuhrmann ist seit 2002 auf dem Floorballfeld zuhause!Tim Fuhrmann ist Floorball-Allrounder durch und durch. Er ist nicht nur Spieler, Schiedsrichter, Fotograf und organisatorischer Leiter des TuS Bloherfelde, sondern immer wieder in Schul-AG's und im Hochschulsport aktiv. Er zählt zu den erfahrensten Floorballern in ganz Niedersachsen und spielt diese Saison seine 6. Saison auf dem Großfeld.


Hallo Tim!

Seit wann spielst du Floorball und seit wann auf dem Großfeld?

Mit Unihockey haben wir in Oldenburg etwa 2002 begonnen. Zunächst im Rahmen des Hochschulsports an der Universität Oldenburg. Etwa zu der Zeit habe ich auch angefangen. Zunächst fand ich den Sport allerdings eher langweilig. Mit Großfeld habe ich vermutlich 2007 angefangen. Da wir in Oldenburg weder genügend Spieler noch die Infrastruktur hatten, habe ich zunächst bei Seebergen gespielt. 


Welche Dinge haben sich im Großfeldspielbetrieb geändert? Wie war die Situation, als du angefangen hast?

In Oldenburg hatten wir die ersten zehn Jahre keine eigene Bande. Deshalb haben wir in einer Saison mit drei Kleinfeld-Mannschaften zusammen in einer SG mit Wahnbek gespielt. 2008 hat Wahnbek die NUB Bande bekommen und eine SG Oldenburg/Wahnbek ist in den GF Spielbetrieb eingestiegen. Ich habe aber zunächst weiter für Seebergen gespielt. Mit Seebergen dann auch in der 2. Bundesliga. 
Abgesehen davon, dass es heute mehr Mannschaften gibt, hat sich leider nicht viel geändert. Insbesondere habe ich nicht den Eindruck, dass das Niveau insgesamt gestiegen ist. 


Du warst bis 2009 auch Geschäftsführer des Niedersächsischen Unihockey Bundes, wie unser Verband damals noch hieß. Welche Dinge haben sich im Verband geändert, seit dem du Floorball spielst?


Den Posten habe ich übernommen weil es sonst niemand machen wollte. Da ich nicht mehr im Verband aktiv bin, kann ich nur meinen Eindruck von außen beschreiben. Durch die deutliche Ausweitung des Spielbetriebs, sind die organisatorischen Aufgaben deutlich angestiegen. Die dabei anfallenden Aufgaben werden noch immer von viel zu wenigen Leuten erledigt. Großen Respekt habe ich vor dem Einsatz von Roland. Er war schon dabei, als ich in die Verbandsarbeit eingestiegen bin und ist heute noch immer dabei.
Viel zur Transparenz des Spielbetriebs hat der SaisonManager, der ursprünglich für den NUB entwickelt worden ist und der nun deutschlandweit eingesetzt wird, beigetragen. 


Neben deiner Leidenschaft als Spieler und Schiedsrichter auf dem Feld zu stehen, nimmst du auch sehr gerne die Kamera in die Hand und machst tolle Bilder von unserem Sport. Wie kam es dazu?


Zunächst habe ich Fotos von der Tribüne aus gemacht. Bei der Vorrunde zur Herren WM in Schweden 2006 in Malmö hat mich Michael Lachenmaier, der auch lange Zeit im NUB aktiv war, gefragt, warum ich mich nicht als Fotograf akkreditiere. 


Als Fotograf hast du auch schon einige Weltmeisterschaften miterlebt. Wann war dein erster Weltmeisterschaftsbesuch?

Meine erste Weltmeisterschaft war die 5. Herren Unihockey Weltmeisterschaft 2004 in Zürich. Damals waren die Weltmeisterschaften noch im Frühling und ich habe in Zürich auf einem Campingplatz übernachtet weil alles andere zu teuer war. Seit dem war ich u.a. bei jeder Herren Weltmeisterschaft, vielen Damen Weltmeisterschaften, einigen U19 Weltmeisterschaften und Qualifikationsturnieren dabei.


Welche Weltmeisterschaft hat dich am meisten beeindruckt und warum?

Besonders beeindruckend fand ich die Herrenweltmeisterschaft 2008 als in Prag Finnland gegen Schweden im "Sudden Death" erstmalig Weltmeister wurde. Besonders überraschend war der 4. Platz Deutschlands bei der Herren WM 2012 in der Schweiz. 


Musstest du als Fotograf bei den Weltmeisterschaften alles aus eigener Tasche bezahlen oder gab es für Anreise und/oder Unterkunft finanzielle Unterstützung von floorball deutschland und/oder der IFF?

Bis auf die Herren U19 WM 2009 in Finnland, bei der ich einen Zuschuss von floorball deutschland bekommen habe, zahle ich alles selbst. Die MÖK von floorball deutschland verkauft im Rahmen deren Berichterstattung hin und wieder Fotos von mir an Zeitungen. Regionale Zeitungen zahlen aber für Fotos so wenig, dass man sich dafür, mit etwas Glück, gerade mal ein Griffband kaufen kann. In überregionalen Zeitung kommt Floorball nur sehr selten vor. Dafür zahlen die deutlich besser. Trotzdem kann man damit die Kosten nicht annähernd decken. Dafür freue ich mich, wenn ein Foto von mir in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", bei DPA oder in der "Finacial Times Deutschland" erscheint (als es diese Zeitung noch gegeben hat). 
Weiterhin verwendet floorball deutschland hin und wieder Fotos von mir auf Plakaten. Ich habe aber keine "formalen Beziehungen" zu floorball deutschland oder anderen Verbänden.


Neben deiner großen Erfahrung als Spieler, kannst du auch auf unzählige Spiele als Schiedsrichter zurückblicken. Hat sich in dem Umgang mit den Unparteiischen etwas geändert?

Früher habe ich mich deutlich weniger über Schiedsrichter aufgeregt als heute. Ich halte mich für keinen guten Schiedsrichter, kann das aber hoffentlich durch Erfahrung und Souveränität ein wenig überspielen. 
Das Problem der Schiedsrichterausbildung in Deutschland ist, dass sie schon immer fast ausschließlich theoretisch durchgeführt wird. Auf einem Rückflug von Schweden habe ich mich mit den Schweizern Schiedsrichtern Thomas Erhard und Philippe Renz unterhalten, die gerade das Finale gepfiffen hatten. Die konnten nicht glaube, dass die Lizenz in Deutschland im wesentlichen nur davon abhängig ist, wie viele (oder wenige) Fehler man in einem Ankreuztest macht. Um bessere Schiedsrichter zu bekommen, ist auch eine praktische Ausbildung notwendig, z.B. durch ein Observersystem, Dafür stehen aber keine Leute zur Verfügung. 

Die Leistung der Schiedsrichter ist teilweise erschreckend schlecht. Selbst bei der Herren KF DM 2013 glänzten viele Schiedsrichter hauptsächlich durch Regelunkenntnis.  
Ich habe den Eindruck, dass es stark vom Verein bzw. der Mannschaft abhängig ist, wie sich diese gegenüber den Schiedsrichtern verhalten. Meiner Meinung nach wird viel zu viel gemeckert. Ein weiteres Problem ist, dass die Schiedsrichter sehr unterschiedlich pfeifen. Ich lasse zum Beispiel viele Aktionen laufen. Damit kommen einige Mannschaften besser klar. Andere fühlen sich dadurch benachteiligt. Früher hat man Floorball als eher körperlosen Sport "verkauft". Das ist es aber nicht, wie jeder bestätigen kann, der einmal ein Spiel zwischen Mannschaften aus Schweden, Finnland, Schweiz oder Tschechien gesehen hat. Fällt z.B. bei einem Spiel der RL GF ein Spieler über die Bande, dann springt häufig die gesamte Bank auf und fordert eine 2 Minuten Strafe. Man kann allerdings auch Spieler völlig Regelkonform über die Bande befördern. Meiner Meinung nach müsste man insbesondere in den höchsten Ligen in unserem Erwachsenenspielbetrieb mehr "fairen Körperkontakt" erlauben. Bei Kindern dagegen sollte man eher auf ein körperloses Spiel achten. Dadurch, dass Floorball vor allem auf höherem Niveau viel schneller und athletischer geworden ist, werden heute die Regeln anders ausgelegt, als noch vor ein paar Jahren.


Was ärgert dich am meisten, wenn du als Spieler von Schiedsrichter gepfiffen wirst?

Leider vieles, z.B. Arroganz, Regelunkenntnis, unklare Zeichen und Unsicherheit. Das ist allerdings auch vom Spiel abhängig. Wenn wir deutlich führen, ist es mir im Grunde egal, wie die Schiedsrichter pfeifen. Leider gibt es Mannschaften, die selbst bei einer klaren Führung die Schiedsrichter noch beschimpfen bzw. permanent meckern. Wenn es knapp ist und ich mit den Schiedsrichtern weniger zufrieden bin, dann rege ich mich leider auch zu viel auf. Meistens entschuldige ich mich aber nach dem Spiel, wenn ich mich wieder beruhigt habe, bei den Schiedsrichtern.


Mit dem TuS Bloherfelde seid ihr im letzten Jahr 3. der Herren Regionalliga Nordwest GF geworden. In diesem Jahr habt ihr alle eure Spiele (mit Ausnahme der Niederlagen gegen Uphusen und Sedelsberg) gewonnen. Was sind eure Ziele für diese Saison?

Mit dem 3. Platz in unser "ersten" GF Saison können wir zufrieden sein. Wir hatten viele Spieler, die erstmalig GF gespielt haben. Wir hatten das erste Spiel sehr hoch gegen Sedelsberg verloren. Das Rückspiel am Ende der Saison war sehr knapp. Nach der letzte Saison haben uns drei wichtige Spieler verlassen. Wenn wir wieder den 3. Platz erreichen, dann können wir zufrieden sein. Wichtiger als die Platzierung finde ich jedoch, dass wir uns spielerisch weiterentwickeln müssen. Ich glaube, wir haben in Oldenburg das Problem, dass wir sehr viel Aufwand betreiben müssen um ein Tor zu erzielen. Es gibt diverse Spiele, da sind wir über 80% in Ballbesitz aber gewinnen mit nur einem Tor. Das darf nicht passieren.



Welche Teams siehst du in dieser Saison besonders stark?

Sedelsberg spielt inzwischen deutlich besser Floorball als früher, als sie hauptsächlich über Schnelligkeit und Kampf gewonnen haben. Eine Schwäche Sedelsbergs ist, dass die Mannschaft sehr schnell sehr unruhig wird, wenn es nicht so läuft, wie sie es sich vorstellen. Trotzdem glaube ich, dass Sedelsberg relativ ungefährdet Meister werden wird. Danach sehe ich Uphusen, Hannover, Oldenburg und vielleicht noch Buntentor. Bei Hannover muss man sehen, wie schnell sich die neuen Spieler ans Grossfeld gewöhnen. Ebenso wie bei Uphusen ist Hannover ein bisschen eine Wundertüte, weil man nie weiß, welche Spieler spielen werden.



Der aktuelle Meister aus Sedelsberg will auch im Sommer 2014 nicht aufsteigen. Wollt ihr den Versuch wagen?

Nein


Welche Dinge müssten sich ändern, damit dies bei euch ein Thema würde?

Wie vermutlich die meisten Vereine in der RL haben wir nicht die Strukturen für einen Aufstieg. Wir bräuchten deutlich mehr und vor allem deutlich jüngere und ausgeglichenere Spieler. Weiterhin haben wir auch nicht die finanziellen Ressourcen für einen Aufstieg. Eventuell könnte man sich überlegen, ob man mit einer SG in die 2. Bundesliga aufsteigen kann.



Mit welchen weiteren Probleme habt ihr in eurer Abteilung zu kämpfen?

Leider haben wir praktisch keine Kinder oder jüngere Jugendlichen mehr. Ich habe immer wieder AGs an Schulen angeboten aber durch die veränderten formalen Bedingungen wird das immer schwieriger. Martin (Günther Anm. d. R.) hat in Wahnbek Floorball im Rahmen des Sportunterrichts an einer Grundschule vorgeführt. Dadurch konnte er dort eine Kinder/Jugend Gruppe aufbauen. Ähnliches müsste man auch in Oldenburg durchführen, aber dazu fehlt mir im Moment leider die Zeit. Weiterhin haben wir, wie vermutlich die meisten anderen Mannschaften auch, das Problem Hallenzeiten für Spiele, aber auch fürs Training zu bekommen. Im Moment trainieren wir Montags und Freitags. Das sind die ungünstigsten Termine, die man haben kann.



Im Frühjahr habt ihr das große Sponsoring-Gewinnspiel beim floorballshop.com gewonnen. welche Zuwendung habt ihr außer den neuen Trikots erhalten?

Wir haben eine Fahrschule als neuen Sponsor gewonnen. Weiterhin haben wir von der Raiffeisenbank einen Zuschuss für neue Tore bekommen. Vorher mussten wir die Tore zwischen den verschiedenen Hallen hin und her tragen. 



Gibt es besondere Projekte für 2014?

Dieses Jahr werde ich erstmalig einen Floorball-Kurs im Rahmen der Aus- und Fortbildung des KreisSportBund Ammerland anbieten.

Vielen Dank für das ausführliche Interview! Ich hoffe, dass du unserem Sport noch lange erhalten bleibst und weiterhin so viel Spaß daran hast.

- Das Interview führte Fabian Mieloch -