Teil 1: Interview mit Lisa Entelmann (VfR Seebergen) - floorball niedersachsen

Lisa Entelmann spielt Floorball seit sie 10 Jahre alt ist. Sie geht dieses Jahr in ihre 14. (!) Saison und hat dabei so ziemlich alles erlebt - 1. Damenbundesliga bei Grimma, Eiche Horn und der SG Seebergen/Hamburg, U19- und Damen WM's, 2. Herrenbundesliga mit dem TV Lilienthal und vieles mehr. Im ersten Teil unseres Interviews haben wir uns mit Lisa Entelmann vor allem über die Entwicklung des Damenfloorballs in Niedersachsen und Deutschland unterhalten.


Lisa Entelmann während der Damen WM 2013 in Tschechien | Foto: Tim FuhrmannLisa Entelmann während der Damen WM 2013 in Tschechien | Foto: Tim FuhrmannZur Saison 2014/2015 gibt es in Niedersachsen endlich wieder eine Damenliga. Glaubst du, dass es damit auch in den kommenden Jahren einen Damenspielbetrieb in Niedersachsen geben wird?

Das kann man immer schlecht sagen, allerdings glaube ich das schon. Wir hatten früher einen regelmäßigen Spielbetrieb in Niederdachsen bei den Damen im KF. Es ist zwar schade, dass Hamburg in Schleswig-Holstein spielt und dass die Niedersächsischen Vereine im Damenbereich noch nicht wieder voll aufgestellt sind. Aber durch die Ambitionen des TV Eiche Horn, der gleich mit drei Teams antritt, sowie die Tatsache, dass es eigentlich in Niedersachsen viele Damen gibt, die in den letzten Jahren nur nicht in einer Liga gespielt haben, bin ich erstmal positiv gestimmt. Ob wir den Spielbetrieb dann aufrecht erhalten können und vielleicht sogar erweitern, hängt sehr an der Arbeit jedes einzelnen Vereins.


Du hast sowohl in Herren-, als auch Damenteams auf hohem Niveau gespielt. Welche Dinge gefallen dir in Männerteams und welche in Damenteams besser

Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass das Floorballspiel sowohl in Herren- als auch in Damenteams sehr ähnlich sein kann. Zur Zeit, und das ist sicherlich auch entwicklungsbedingt, sind die Herrenspiele schneller. Das bezieht sich auf die Laufarbeit und das schnellere Passspiel. Hier muss man jedoch auch den Entwicklungsstand der Teams beachten. Ansonsten finde ich es cool, dass Herren oftmals mehr Zug zum Tor aufbauen, der Ehrgeiz das Tor selbst zu schießen, fällt mir persönlich schwerer als den meisten Jungs, die ich kenne. Das kann aber auch von Nachteil sein. Du merkst schon, Fabian, ich vertrete ungern Klischees, das ist oftmals auch typbedingt und nicht geschlechtertspezifisch.


Es kommt mir nicht auf das Geschlecht meiner Mitstreiter an, sondern auf einen ähnlichen Leistungsanspruch, den Spaß am Sport und die gute Laune. Ich verstehe mich innerhalb der Teams, in denen ich spiele, sehr gut mit meinen Mitspielern und Mitspielerinnen.


Ich habe das Gefühl, dass der Damenspielbetrieb immer weiter zurückgeht (national, wie regional). Vor zwei Jahren die Teilung der nationalen Bundesliga. Dieses Jahr wird es wohl gar keine Bundesliga geben.
Geht es dir auch so und woran liegt das?
Gab es vor 4 oder 5 Jahren mehr Spielerinnen?
Oder mehr Menschen, die mehr Zeit in den Damenfloorball investierten?

Ja das Gefühl habe ich leider auch. Ich sehe die Veränderungen, die aktuell laufen auch nicht als Chance, sich im Damenspielbetrieb neu aufzustellen. Meiner Ansicht nach wird zu oft der eigene Vorteil in den Fokus gerückt. Jedes Damenteam macht was es will. Normalerweise sollte das Ziel eines ehrgeizigen Mädchens oder einer ehrgeizigen Frau früher oder später sein, in einer nationalen Liga zu spielen, in einer Bundesliga mit mehr als 6 Teams. Ich erinnere mich gern an frühere Zeiten, in denen ich mit dem TV Eiche Horn und auch der SG Seebergen-Hamburg Damenbundesliga als einziges Nord-Team gespielt hab. Das war toll. Da war jede Auswärtsfahrt ein Erlebnis und alle wollten immer mit. Da war egal, was es kostet oder ob man verliert. Da ging es einfach darum, gemeinsam Gas zu geben und immer besser zu werden. Da will ich wieder hin!

Ich glaube auch nicht, dass es an der Anzahl der Spielerinnen liegt. Ob es damals mehr waren, würde ich stark bezweifeln. Es liegt an der Organisation, an dem Egoismus, der überall praktikziert wird. Klar sollte jedes Team möglichst einfach und günstig Floorball spielen können. Aber wenn wir Damen in Deutschland besser werden wollen, müssen wir alle zusammen etwas dafür tun. Dazu gehört nunmal auch eine gemeinsame Liga, die den Kopf des ganzen Chaos bildet. Dass es zu wenig Teams für Unter- und Überbau gibt ist mir klar. Aber früher war GF der Überbau und KF der Unterbau und das Konzept ging für mich ganz gut auf.


Welche Dinge müssen angegangen werden, damit sich der Damenfloorball wieder positiv entwickelt, sowohl auf Bundesebene, als auch bei uns in Niedersachsen?

Meiner Meinung nach sollte es einen Fördertopf geben, um Damenfloorball besser vorantreiben zu können. Außerdem ist es extrem wichtig, dass eine GF-Bundesliga zustandekommt. Der Pokal, wie er vor zwei Jahren schon einmal existierte war nicht verkehrt, ist aber leider nicht aufgegangen, weil die Teams den nächsten Schritt nicht gehen wollten. Hier ist die frage, ob es am Zeitmangel, an Faulheit oder an anderer Prioritätensetzung der einzelnen Spielerinnen lag oder an den gegebenen Strukturen. Ersteres kann man kaum beeinflussen. Letzteres aber schon: Geringe Meldegebühren und Lizenzkosten, Kompromisse bei Schiedsrichterkontingenten, eine faire bzw. kompromissbereite Struktur bei Heimspielansetzungen, usw. wären Möglichkeiten, die dem Verband obliegen. Außerdem sollte jedem klar sein: Die Teamstrukturen, der Wille, Sponsoren zu finden usw. sind Vereinsangelegenheiten, die auch das Damenteam mitgestalten muss. Als der TVL damals aufgestiegen ist wurden zwei Dinge geklärt: 1. alle wollen es und haben Bock sich weiterzuentwickeln und 2. welcher Spieler bekommt welche Aufgabe. Da hat sich kaum einer entzogen. das war ein Riesenprojekt und alle haben mitgemacht. So könnte es bei Damenteams auch laufen, die solche Strukturen noch nicht haben. Das Gute hierbei ist, man könnte oftmals schon aus Erfahrungen und Kontakten von den ansässigen Herrenteams profitieren, wenn das zugelassen wird. Eins steht aber fest: Einfach ist das alles nicht.


Du warst in diesem Jahr das zweite Mal Betreuerin im Sommerlager des FVN. Jahr für Jahr ist das Sommerlager ein voller Erfolg, was macht das Sommerlager aus und wo siehst du Verbesserungspotenzial?

Ich bin ein großer Fan vom Sommerlager, seitdem ich einmal Teilnehmerin war. Die zwei Male als Betreuerin fand ich auch klasse. Das Zusammenkommen von Jugendlichen mit der gleichen Leidenschaft für Floorball, die gute Laune und der Spaß, den man gemeinsam hat machen das Sommercamp zu einem Urlaub, den man so schnell nicht vergisst. Als Betreuerin finde ich es super, dass ich daran mitwirken kann, den Jugendlichen ihren Urlaub lustig und auch ein bisschen anstrengend zu gestalten.

Hier geht es zum zweiten Teil. Darin geht es um die Herren Regionalliga Nordwest GF, Damen-Weltermeisterschaften und den Wunsch nach einer Damen-U17-Nordauswahl
2. Teil des Interviews

- Das Interview führte Fabian Mieloch -