Interview mit Raiko Krüger (Hannover 96) - floorball niedersachsen

In den letzten Wochen hat vor allem die SG Hannover für Schlagzeilen gesorgt. Zunächst konnte das Team aus der Landeshauptstadt den Meistertitel in unserer höchsten Liga (Großfeld Regionalliga) feiern und dann den Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord/West perfekt machen.
Am Dienstag dann der nächste Coup! Die Seniorenspieler der SG Hannover wechseln geschlossen zur Hannover 96, der Großverein hat eine neue Floorballsparte gegründet und ist seit dem 01.06.2015 Mitglied bei floorball niedersachsen.

Wir haben ein ausführliches Interview mit Raiko Krüger, Abteilungsleiter der neuen Floorballsparte und Trainer des Zweitligateams geführt:


Die neue Abteilung von Hannover 96 hat auch gleich ihre Abteilungsleiter und Ressortleiter gewählt! V.l.n.r.: Frank Paprott (Sportentwicklung), Thomas Neff (Jugend), Leslie Freiling (Events & Projekte), Alexander Weiss und Frederik Tietz (Medien & Kommunikation), Raiko Krüger (Abteilungsleitung), Julian Bünger (Schiedsrichterbelange), Christian Bischof (stellv. Abteilungsleitung). | Foto: Hannover 96

Hallo Raiko, du bist vor einem Jahr von den Red Devils Wernigerode (1. Bundesliga) zur SG Hannover (Regionalliga) gewechselt. Welche Unterschiede haben dich überrascht?

In der Region hat mich vor allem die hohe Anzahl an Floorball-Aktivitäten überrascht, sowohl im Jugend- als auch im Erwachsenenbereich. Zudem war hohe individuelle Qualität bei vielen Spielern und Spielerinnen bereits vorhanden. Der Ligamodus mit Einzelspieltagen und 9 Teams war ähnlich organisiert, dennoch in einem viel längeren Saisonzeitraum und damit für mich ungewohnt. Im Vergleich zu den höheren Ligen ist das Leistungsgefälle vor allem in der Geschwindigkeit und dem Körperspiel/Physis sehr stark erkennbar gewesen.


Ihr musstet bereits zum 31.12.2014 euren Aufstiegswunsch erklären. Wann ist die Entscheidung dazu gefallen?

Wir hatten verschiedene Ziele innerhalb des Teams zu Saisonbeginn festgelegt und das ganz große Ziel hieß Aufstieg. Ende des vergangenen Jahres hatten wir bereits unsere kleinen Teilziele erreicht und haben die Aufstiegsbekundung abgegeben.


In den letzten Jahren hat die SG Hannover nie für einen möglichen Aufstieg gemeldet. Wieso in dieser Saison?

Die Mannschaft hat sich im Training und in den einzelnen Wettkämpfen wie Pokal und Liga in dieser Saison sehr schnell und stark weiterentwickelt. Zudem hatten wir bereits wegen rasantem Mitgliederwachstum ein zusätzliches zweites Team gemeldet sowie eine Infrastruktur zur Unterstützung bei einzelnen Spieltagen aufgebaut. Zum einen ist der Aufstieg gut, um leistungstechnisch die Entwicklung weiter voran zu treiben und nicht zu bremsen. Zum anderen gibt es der Floorballregion Hannover mit diesem immensen Potential einen großen Schub.


Welche sportlichen Ziele verfolgt ihr in der zweiten Bundesliga?

Grundsätzlich sind wir natürlich Aufsteiger und damit Underdog in allen Spielen und der Liga. Eine Festigung innerhalb der Liga und somit der Klassenerhalt sollten das erste Ziel sein.


Zur neuen Saison startet ihr nicht mehr als SG Hannover, sondern als Abteilung von Hannover 96. Wie kam der Kontakt zustande und wie liefen die Gespräche?

Eine Spielgemeinschaft ist organisatorisch und marketingtechnisch immer schwierig zu managen. Mit Hinblick auf unser angestrebtes Ziel, in der 2. Bundesliga zu spielen, sind wir dann in erste Überlegungen mit diversen Vereinen eingestiegen. Anfang des Jahres haben wir den Kontakt zu Hannover 96 gesucht, wo wir unsere Sportart, Ideen und Businessplan vorgestellt haben. Anschließend war man von unserer Euphorie für diesen Sport überzeugt und hat nach weiteren Terminen uns ein „Go“ gegeben.


Welche Unterstützung könnt ihr von Hannover 96 erwarten?

Die Unterstützung findet sich in vielen Gebieten wieder. Beispielsweise werden wir von der großen Professionalität im Marketing profitieren und unserer Sportart so diverse Möglichkeiten zur Werbung geben können, welche bisher wohl noch keiner anderen Floorballsparte ermöglicht wurden. Weitere Beispiele sind die Unterstützung bei Schul- und Nachwuchsarbeit oder Kooperationen in sportlichen Punkten.


Was sind die kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Ziele der Floorballabteilung von Hannover 96?

Kurzfristig wollen wir mit diversen Maßnahmen den Aufbau von Nachwuchsteams angehen. Zudem soll eine sportliche Konstanz im Spielbetrieb von Floorball Deutschland erreicht werden. Mittelfristig ist unser Ziel, sich als größter Floorball-Verein Niedersachsens zu etablieren sowie Floorball-Events auszurichten.


Einige Floorballabteilungen profitieren in kleineren Vereinen von einer besonderen Unterstützung, weil sie mit ihrem Bundesligaspielbetrieb das Aushängeschild des Vereins sind. Bei allem Erfolg wird Floorball bei Hannover 96 wohl nie an erster Stelle stehen, ist das nicht ein Nachteil?

Als Nachteil sehe ich dies nicht, da alle Abteilungen und Sportarten in diesem Verein hiervon profitieren, sei es im Marketing, Verwaltung oder in der Professionalität. Im Vergleich zu kleineren Vereinen, sind viele Personen hier hauptamtlich tätig, welche viel Zeit in unsere Abteilungsunterstützung investieren.


Wie geht es nun mit den anderen Floorballvereinen in Hannover weiter?

Wir sind der Meinung, dass die Stadtteil- und Umlandvereine gerade im Sinne der Nachwuchsförderung wichtig sind für die Floorballregion Hannover. Die Vereine haben weiterhin ihre Nachwuchsmannschaften und werden als Kooperationspartner oder Nachwuchsleistungszentren mit uns zusammenarbeiten.


Wie siehst du die Entwicklung von Floorball in Niedersachsen und wie siehst du die Arbeit von floorball niedersachsen?

Floorball scheint in Niedersachsen stark anzuwachsen, wobei in den Metropolregionen aus meiner Sicht noch viel Potential steckt. Floorball Niedersachsen habe ich bisher als sehr engagierten und flexiblen Verband kennengelernt, der sich professionell aufgestellt hat und eine nachhaltige Entwicklung unterstützt.


Das Interview führte Fabian Mieloch